Schon seit dem Gymnasium hatte ich den Wunsch, einmal im Ausland zu arbeiten. Mehrmals habe ich begonnen, mich darum zu kümmern, doch es hat nie geklappt. Deshalb wollte ich die Chance im Physiotherapiestudium unbedingt nutzen: eine perfekte Gelegenheit, eine andere Kultur und ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen.
Warum es Innsbruck wurde
Innsbruck stand aus gutem Grund auf meiner Wunschliste: eine coole Studentenstadt mitten in den Bergen. Ich liebe es, draussen unterwegs zu sein – Skitouren, Trailrunning, Rennvelo oder Langlaufen. Da die Stadt nicht weit von zu Hause entfernt ist und Sprache wie Kultur der Schweiz ähnlich sind, hatte ich kaum Bedenken. Meine einzige Sorge: ob ich neue Kontakte knüpfen würde. Organisatorisch war der Aufwand etwas grösser als bei einem normalen Praktikum, dank der Unterstützung der SUPSI aber gut machbar.
Zwei Arbeitsplätze, zwei Welten
Mein erster Praktikumsplatz war in einer Praxis. Anders als in der Schweiz sind die meisten Praxen Privatpraxen, die Therapie bezahlen die Patientinnen und Patienten selbst. Entsprechend variabel war das Patientengut: häufig Rücken- oder Nackenschmerzen, aber auch postoperative und neurologische Fälle – ideal, um unterschiedliche Pathologien zu vertiefen.
Die zweite Hälfte meiner Praktikumszeit verbrachte ich in einer Langzeitpflegeklinik in Hall. Dort werden stark pflegebedürftige Menschen betreut, oft mit multimorbiden Erkrankungen wie Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall, Para- oder Tetraplegie, Chorea Huntington oder Demenz.
Wenn Kommunikation zur Therapie wird
Meine Tätigkeiten unterschieden sich hier stark von jenen in der Praxis: Für viele Patientinnen und Patienten bestand das Ziel darin, wieder selbstständig aufzustehen, einige Schritte zu gehen oder Kontrakturen vorzubeugen. Viele haben schwere Schicksalsschläge erlebt, einige können sich – etwa wegen fortgeschrittener Demenz oder eines Wachkomas – nicht mehr mitteilen. Eine sehr eindrückliche Erfahrung.
Berge vor der Haustür
Was mir besonders gefallen hat, ist die Nähe von Stadt und Natur. Skitouren nach der Arbeit auf der Piste oder am Wochenende in freier Natur, Läufe mit einem Running Club, Trailruns und die unzähligen Loipenkilometer in Seefeld. Innsbruck eignet sich aber ebenso zum Bummeln und Kaffeetrinken. Ein Highlight war der Besuch eines olympischen Langlaufrennens in Tesero.
Mein Fazit
In Erinnerung bleiben mir vor allem die vielen tollen Menschen – meine WG-Mitbewohnerin, die Arbeitskolleginnen und -kollegen, neue Bekanntschaften –, dazu die beeindruckende Natur und die bewegenden Schicksale der Patientinnen und Patienten. Ich durfte mich beruflich wie persönlich weiterentwickeln, und die Zeit verging wie im Flug. Genau deshalb empfehle ich ein Auslandspraktikum weiter: Man lernt, aktiv auf Leute zuzugehen und den Blick für andere Kulturen und Gesundheitssysteme zu öffnen. Und für alle, die gerne draussen sind, ist Innsbruck sowieso der perfekte Standort.
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