In diesem Blogbeitrag richten wir das Augenmerk auf den Nachwuchssport und unseren CAS Nachhaltige Nachwuchs-Leistungsentwicklung (NNLE). Der moderne Jugend- und Nachwuchssport steht vor einem zentralen Spannungsfeld: Einerseits sollen junge Athletinnen und Athleten möglichst früh leistungsfähig sein, andererseits steigen gleichzeitig Verletzungsraten, Überlastungsproblematiken und Drop-outs. Die zentrale Frage lautet daher: Wie entwickeln wir leistungsfähige aber gleichzeitig gesunde und belastbare Athletinnen und Athleten? Der CAS NNLE setzt genau hier an.
«Robustness» – ein Schlüsselkonzept für langfristige Leistungsentwicklung
Unter «Robustness» verstehen wir die Fähigkeit des Körpers, Belastungen nicht nur zu tolerieren, sondern sich durch sie weiterzuentwickeln. Im Nachwuchssport umfasst dies Belastung angemessen tolerieren, sich effizient regenerieren, Verletzungsrisiko minimieren und langfristig leistungsfähig bleiben.
Im CAS NNLE wird «Robustness» als Health-Based Performance verstanden. Dieser Ansatz verbindet Leistung und Gesundheit konsequent miteinander. Grundlage bildet ein bio-psycho-soziales Modell, das Athletinnen und Athleten ganzheitlich betrachtet und individuelle Entwicklungsprozesse berücksichtigt. Ziel ist nicht kurzfristige Leistung, sondern nachhaltige Entwicklung, Resilienz und Selbstwirksamkeit.
Krafttraining – ein essenzieller Bestandteil im Nachwuchssport und Treiber von Robustness
Trotz klarer wissenschaftlicher Evidenz halten sich im Nachwuchssport hartnäckige Mythen rund um Krafttraining. Aussagen wie «Kinder sind nicht bereit für Krafttraining» oder «Hohe Lasten schädigen Gelenke» sind laut aktuellen Daten jedoch wissenschaftlich nicht haltbar. Im Gegenteil: Gut strukturiertes Krafttraining ist sicher, wirksam und notwendig.
Zahlreiche Studien zeigen, dass Krafttraining bereits im Kindesalter Kraft, Koordination und Bewegungskontrolle verbessert. Die frühen Trainingseffekte entstehen primär durch neuronale Anpassungen. So lernen die Kinder, Bewegung effizient zu steuern, bevor Muskelmasse zunimmt. Das macht die Phase besonders wertvoll für Technik, Koordination und Verletzungsprävention.
Mehrere Meta-Analysen (u. a. Lesinski et al., 2016; Moran et al., 2017) mit insgesamt mehreren tausend Teilnehmenden zeigen signifikante Verbesserung dank Krafttraining in:
- Sprungleistung
- Kraft
- Schnellkraft
- Sportartspezifische Leistung
Wichtig dabei: Krafttraining sollte vor Powertraining erfolgen, um eine stabile Basis zu schaffen.
Auch für die Verletzungsprävention spielt Krafttraining eine zentrale Rolle. Ungenügende Kraft führt zu schlechterer Landetechnik und erhöht dadurch Verletzungsrisiken, zum Beispiel im Knie und besonders ausgeprägt rund um die Peak Height Velocity (PHV)-Phase.
Peak Height Velocity (PHV-Phase)
PHV wird als Abschnitt mit dem höchsten Grössenwachstum während der Pubertät definiert. Es ist eine vulnerable Phase mit vielen Veränderungen im Anabolismus. Dies hat ein exponentielles Kraft- und Längenwachstum zur Folge, bei dem insbesondere die passiven Strukturen stark gefordert sind.
Muskeln – der körpereigene Stossdämpfer
Muskeln wirken als Schutzsystem, indem sie Kräfte dämpfen, Belastungen auf Gelenke und Sehnen reduzieren und die Bewegung stabilisieren. Fehlende Kraft führt hingegen zu höherer struktureller Belastung.
Gerade im Nachwuchs ist motorisches Lernen ein entscheidender Hebel in der Verletzungsprävention: Robustness entsteht nicht nur durch Muskelmasse, sondern durch Bewegungskontrolle, inter- und intramuskulärer Koordination sowie präzises Timing.
Viele Verletzungen entstehen nicht durch «zu viel Training», sondern durch ein Mismatch zwischen Belastung und Belastbarkeit. Deshalb ist das Verhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit ein wichtiges Element im CAS mit gezieltem Wissensaufbau zu Pre-Injury Screening, Funktionsdiagnostik («find the gap») und individualisierter Trainingssteuerung.
Krafttraining im CAS NNLE – ein klar strukturierter und praxisnaher Ansatz
Der CAS NNLE verfolgt einen klar strukturierten Prozess, der Theorie und Praxis eng miteinander verbindet – vom Screening bis zur Intervention.
Der Leitgedanke lautet: «Find the gap – bridge the gap». Denn Robustness und das dafür notwendige Krafttraining sind zentrale Bausteine für gesunde, belastbare und leistungsfähige Sportlerinnen und Sportler.
CAS NNLE – Junge Sportlerinnen und Sportler nachhaltig in ihrer Entwicklung fördern
Der CAS vermittelt das notwendige Know-how, um heranwachsende Sportlerinnen und Sportler auf ihrem Weg zu ihren sportlichen Träumen und Zielen praxisnah und evidenzbasiert zu begleiten. Die Weiterbildung bei SUPSI Landquart ist bestens auf die Herausforderungen des modernen Nachwuchssports abgestimmt.
Er richtet sich an Fachpersonen, die junge Athletinnen und Athleten professionell begleiten und deren langfristige Leistungsentwicklung fördern möchten, beispielsweise Physiotherapeut:innen, Trainer:innen, Sportwissenschaftler:innen, Sportmediziner:innen etc.